Studienfahrt des LK Latein nach Rom
Herbst 2004
Der Leistungskurs Latein war endlich in der ewigen Stadt! Auch wenn nur drei Tage zur Verfügung standen,
absolvierte der LK Latein drei verschiedene Spaziergänge durch Rom, in denen zumindest alle berühmten antiken
Denkmäler und Ausgrabungsorte innerhalb der antiken Stadtmauern besucht wurden.
Dabei blieb auch Zeit, wenigstens kurz einen Abstecher zum Vatikan zu machen und die berühmte Basilika
St. Paul vor den Mauern zu besichtigen.
Nach einer problemlosen Fahrt im Nachtzug und nach dem wir unser Gepäck im für solche Zwecke empfehlenswerten Hotel Marisa gleich am Bahnhof verstaut hatten,
ging es dann auch gleich los.
Erste Station am ersten Tag waren die Thermen des Kaisers Diokletian, von denen der noch erhaltene Teil am Rand der
Piazza della Repubblica steht. Bereits hier ergaben sich erste Eindrücke von „lebendigem“ Latein, denn auf vielfältigen
Grabstelen oder anderen Inschriftenplatten konnte Originallatein erfahren werden.
Die gigantischen Ausmaße des noch erhaltenen teils dieser Thermen beeindruckte die Gruppe ebenfalls.
Anschließend wanderte die Gruppe in Richtung der Kaiserforen, von denen das Forum des Kaiser Trajan und dessen
Marktanlage am besten erhalten ist.
An der Trajanssäule erfuhr der Leistungskurs, wie damals bei den Römern politische
Propaganda gemacht wurde.
Dann wandte sich der Kurs dem Mittelpunkt der römischen Welt zu, dem Forum Romanum.
Gleich beim Betreten und obwohl fast alles einem mehr oder weniger geordneten Trümmerfeld gleicht, beeindruckte die
Forumsanlage doch sehr. Dazu trugen der recht gut erhaltene Triumphbogen des Kaisers Septimius Severus bei,
aber auch die Rostra, die beiden Basiliken, vor allem aber der Tempel der Vesta, wird dieser doch oft in der
römischen Literatur erwähnt.
Einen weiteren nachhaltigen Eindruck hinterließ die gigantische Maxentiusbasilika.
Nachdem der Titusbogen bestaunt war,
erklomm die Gruppe den Palatin, von wo der herrliche Blick über das Forum und die
Stadt Rom ausgiebig genossen wurde, nicht zuletzt deswegen, weil ein wunderbares mildes und sonniges Wetter herrschte
und noch vielerlei Blüten den Garten Farnese in eine zauberhafte Stimmung versetzten.
So wanderte der Leistungskurs unter Orangen- und Zitronenbäumen, die noch voller Früchte waren,
zu den Überresten der gewaltigen Kaiserpaläste.
Nach einem Blick auf den Circus Maximus
wandte man sich dem Kolosseum zu, einem weiteren Höhepunkt römischer Baukunst.
Wie gut der Zeitpunkt der Fahrt gewählt war, ließ sich daran erkennen, dass dort, wo normalerweise unermessliche
Menschenschlangen anstehen, außer von einer kleinen japanischen Reisegruppe kein Mensch weit und breit zu sehen
war und auch gerade deshalb das Innere des Kolosseums ohne Gedränge besichtigt werden konnte.
Vor dem Kolosseum, das seinen Namen von der riesigen Kolossalstatue des Kaisers Nero, die ganz vergoldet war, hat,
steht, kommt man die Via San Gregorio hinauf, der Konstantinsbogen, der schönste und größte Roms.
Nun war der erste Rundgang beendet und auch der Tag neigte sich dem Ende zu, so dass alle mit Eindrücken beladen gerne
dem Hotel zustrebten.
Am zweiten Tag begann der Rundgang mit einer U-Bahnfahrt zur Basilika St. Paul vor den Mauern. Diese
Basilika ist an der Stelle errichtet, an der der Apostel Paulus, der ja römsicher Staatsbürger war,
enthauptet wurde. Im Innern dieser Kirche zieht sich knapp unterhalb der Kasettendecke ein Band aus
lauter Medaillons hin, die in ununterbrochener Reichenfolge die Portraits aller bis heute vorhandenen
Päpste enthalten. Der Sage nach würde der Jüngste Tag anbrechen, wenn alle diese Medaillons voll seien.
Gott sei Dank sind, wenn auch nicht mehr sehr viele, doch einige noch frei!
Nach deren Besichtigung fuhr die Gruppe zurück zur Cestiuspyramide
an der Porta S. Paolo, wo die
Strasse nach Ostia die altrömische Stadtmauer durchbricht.
Bei dem Spaziergang über den Aventin würde natürlich
auch ein Blick durch das berühmte „Schlüsselloch“ geworfen. Sieht man durch dieses hindurch, blickt man am Ende einer
wunderschön zurecht geschnittenen Zypressenallee genau auf die Peterskuppel, wahrhaft eine zauberhafte
Überraschung.
Bevor die Gruppe das Forum Boarium aufsuchte, warf man noch schnell einen Blick über den Circus Maximus
auf die gewaltigen Gebäudekomplexe der Kaiserpaläste, die ja am Vortag besucht wurden.
Am Forum Boarium wurden der Janusbogen, die beiden kleinen Tempel, der eine rund, der andere typisch, besichtigt,
dann wurde die Wahrhaftigkeit der LK-Teilnehmer am Mund der Wahrheit erprobt. Ob der bocca de la verita an diesem Tag gerade nicht
funktionierte oder ob alle die Wahrheit sagten, kann leider nicht mit Sicherheit entschieden werden.
Jetzt wurde der nächste Hügel in Angriff genommen, das Kapitol. Es ging zunächst vorbei am Marcellustheater und
den drei übriggebliebenen Säulen des Apollotempel,
dann stand die Gruppe schon vor dem Aufstieg zum Kapitol.
Oben wurden die Dioskuren, die Rossebändiger bestaunt,
und das perfekt restaurierte Reiterstandbild von Marc Aurel,
dem Philosophen auf dem Kaiserthron, gibt wieder Anlass zur Hoffnung, dass das Weltende wieder in weite Ferne gerückt ist.
Natürlich wurde nicht versäumt, die Kirche S. Maria in Ara Coeli zu besuchen, wo dem Jesuskind aus aller Welt
geschrieben wird und wo am Heiligen Abend ein eigens dafür ausgewähltes Kind die Predigt halten darf.
Jetzt musste die Gruppe ein drittes Mal die Treppen herabsteigen, um dann gleich wieder nach oben zu klettern,
denn jetzt wurde das Nationaldenkmal besichtigt, das Denkmal für König Viktor Emanuel II. Böse Zungen bezeichnen es
als die „Schreibmaschine“, noch bösere als das „Gebiss von Rom“.
Als letzter Programmpunkt dieses Tages standen noch das Pantheon und die Piazza Navona bevor.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause am Pantheon wurde dieses besichtigt, und alle waren beeindruckt von
den gewaltigen Ausmaßen, dem Ebenmaß der Kuppel, die als Vorlage für die Peterskuppel gedient hat und von der
einzigen Lichtöffnung, die dem Innenraum ein seltsam anmutendes lebendiges und mystisches Licht spendet.
Dagegen enttäuschte die Piazza Navona in Hinblick auf die Antike, denn die gesamte Piazza war
ein gigantischer Weihnachtsmarkt mit all dem üblichen Kitsch - wir hatten ob des warmen und für unsere
Verhältnisse fast sommerlichen Wetters ganz vergessen, dass Weihnachten unmittelbar vor der Tür steht.
In Hinblick auf die „Shoppinglust“ der Kursteilnehmer war natürlich dieser Weihnachtsmarkt durch nichts zu überbieten.
Der Grundriss dieses Patzes entspricht exakt dem Grundriss des ehemaligen Stadion des Domitian. Der Obelisk, der sich
auf der Figurengruppe des mittleren Brunnens befindet, war eine der beiden Wendemarken in diesem Stadion.
Zwei berühmte Baumeister von Rom haben sich in witziger Weise hier verewigt. Bernini ist der Schöpfer des Vier Flüsse Brunnens, dessen Mitte besagter Obelisk ziert.
Vier Weltflüsse, die Donau, der Ganges, der Nil und der Rio de la Plata werden durch allegorische Figuren dargestellt.
Am Westrand der Piazza Navona erhebt sich auf Höhe dieses Brunnens die Fassade der Kirche S. Agnese, ein Meisterwerk Borrominis, des zweiten Baumeisters und
Konkurrenten Berninis. Wie durch Zufall ist die Allegorie des Rio de la Plata dieser Fassade zugewandt, und wie durch
Zufall erhebt diese Figur abwehrend ihre Hand gegen diese Fassade, so als ob sie sich gegen deren von Bernini vorhergesagten
Einsturz wehren wollte - ein kleine Stichelei Berninis gegen seinen Konkurrenten.
Da an diesem Tag noch Zeit übrig war und man sich ganz in der Nähe des Vatikan befand, wurde diesem noch eine
Blitzvisite abgestattet. Dabei überquerte die Gruppe zuerst den Tiber über die berühmte Engelsbrücke,
die genau auf die Engelsburg zuführt, dem Grabmal Kaiser Hadrians.
Dann spazierte man durch die Via della
Conciliazione genau auf den Petersplatz zu.
Auch hier kamen die Kursteilnehmer oft aus dem Staunen nicht heraus.
Diesmal gings zurück mit der Metro, für alle eine Erlösung nach dem doch langen Fußmarsch quer durch Rom.
Der dritte Rundgang begann am nächsten Tag an der Piazza del Popolo.
Bei strahlendem Wetter spazierten wir über den Pincio vor zur spanischen Treppe,
statteten dem berühmten Cafe Greco einen Besuch ab und gingen dann auf allgemeinen Wunsch zum Shoppen über,
verlockten doch die Geschäfte wie einst die Sirenen die Gefährten des Odysseus zu unvorsichtigen Kauforgien.
Der nächste Treffpunkt war die Fontana die Trevi,
von dort wurde die Marc Aurel Säule aufgesucht
und dann ging es zum letzten offiziellen Programmpunkt, auf das Marsfeld, wo Augustusgrabmal und Friedensaltar stehen.
Leider war zur Zeit der Friedensaltar durch Baumaßnahmen komplett eingerüstet, so dass wir mit dem Augustusgrabmal
zufrieden sein mussten. Anschließend konnten die Kursteilnehmer ihre Freizeit selber gestalten,
bevor dann um 21.37 Uhr der Nachtzug den Leistungskurs wieder in heimatliche und kältere Gefilde brachte.